Drogenprävention im Fokus
Steigender Cannabis-, Koks- und Crack-Konsum, Alkohol- sowie Tabakgenuss über dem europäischen Durchschnitt und zunehmend stundenlanges Gedaddel von Kindern und Jugendlichen auf dem Smartphone - der geneigte Betrachter könnteden Eindruck gewinnen, die Deutschen sind ein Volk auf Droge.
Zumindest seien es fünf bis sechs Millionen Erwachsene, die bei uns regelmäßig Cannabis zu sich nehmen, informierte Prof. Dr. Hendrik Streeck während seines Besuchs am Mittwoch in Eutin. Auch diese Tatsache sei mit ein Grund dafür, die von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach und der Ampel- 2024 eingeführte Teillegalisierung von Cannabis trotz vieler Bedenken nicht zurückzunehmen. Mit einem Federstrich des Gesetzgebers würden diese Menschen sonst kriminell. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass laut Streeck allein der Import von medizinischem Cannabis in dieser Zeit von acht Tonnen auf 200 Tonnen pro Jahr gestiegen ist. Zudem sei mit dem vermehrten Cannabis-Konsum eine steigende Zahl der Psychosen zu verzeichnen. Zum Thema „Rausch, Risiko, Regulierung – wie viel Staat braucht Gesundheit?“ hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Schmidt „das Who is Who“ der ostholsteinischen Gesundheitsbranche“ in der Zahlreiche Gäste aus dem medizinischen Bereich ebenso wie aus Kreis- und Kommunalpolitik waren der Einladung von Sebastian Schmidt nach Eutin gefolgt. Lounge des Eutiner Brauhauses versammelt, ebenso Kreispräsidentin Petra Kirner, Eutins Bürgervorsteherin Elgin Lohse, der Eutiner CDU Vorsitzende Manfred Meyer und Kommunal- und Kreispolitiker sowie niedergelassene Ärzte und Zahnärzte.
Sucht- und Drogenpolitik seien der Gradmesser für die verantwortungsvolle Politik eines Staates, betonte Prof. Streeck. Neben Verhaltenssüchten wie Gaming, Pornografie oder Spielsucht steige auch der Konsum von Opioiden. Zudem zeige jedes vierte Kind in Deutschland ein riskantes Medienverhalten. Die Handynutzung führe zu massiven Konzentrations- und Schlafstörungen. Er befürworte eine Altersstaffelung für bestimmte Zugangsstufen. Angesichts einer steigenden Zahl von Drogentoten begrüßte der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, dass mit dem beschlossenen Wegfall der Rezeptpflicht für sogenannte Opioid-Antagonisten wie Naloxon nun ein wirksames Gegenmittel in der Notfallmedizin bei Überdosen einfacher verfügbar sei.
Der renommierte Wissenschaftler sprach sich in der anschließenden Diskussion für ein „Prävention zentriertes Gesundheitswesen“ aus, „um Gesundheit zu erhalten und Krankheit zu vermeiden“. Angesichts fehlender Milliardenbeträge im Gesundheitssektor teilte Streeck dem Vorschlag nach eingeschränkten Leistungen für Menschen, die nichts in unser Gesundheitssystem einzahlen, aber dennoch eine vollumfängliche Versorgung bekommen, eine Absage. Dazu sei er zu sehr Arzt:
„Alle sollten gleich behandelt werden.“